Deutschland braucht einen Aufbruch – und der beginnt vor Ort
Autor: Dr. Markus Sondermann, Vorsitzender der FDP Ratsfraktion
Der Ausfall des Bahnfunks in diesen Tagen war weit mehr als eine technische Panne. Er war ein Symbol für den Zustand unseres Landes. Eine hochentwickelte Industrienation steht still, weil die Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Und das Erschreckendste daran: Viele Menschen reagieren nur noch mit einem Schulterzucken. Man hat sich an den Stillstand gewöhnt.
Dieser Fatalismus ist gefährlicher als jede einzelne Panne.
Denn das Problem ist längst nicht mehr der einzelne Ausfall. Das Problem ist, dass wir uns daran gewöhnt haben. An verspätete Züge. An gesperrte Brücken. An langsame Genehmigungen. An eine Digitalisierung, die ihren Namen kaum verdient. Wir haben den Stillstand normalisiert.
Wer in Ratingen lebt oder arbeitet, kennt das nur zu gut. Pendler Richtung Düsseldorf, Essen oder Köln planen Verspätungen längst mit ein. Unternehmen kämpfen mit Infrastrukturproblemen und Verwaltungsschleifen. Was früher als Standortvorteil galt – zentrale Lage, starke Region – wird zunehmend ausgebremst durch das, was eigentlich funktionieren sollte. Deutschland war einmal schnell, effizient und lösungsorientiert. Heute wartet das Land: auf Züge, auf Bescheide, auf Fortschritt. Während andere Länder bauen, genehmigen und investieren, diskutieren wir Zuständigkeiten und füllen Formulare aus. Das hat Folgen. Jeder verspätete Zug kostet Arbeitszeit. Jede blockierte Infrastruktur kostet Wachstum. Jede neue Vorschrift kostet Innovationskraft. Das ist keine Theorie, das ist Alltag – auch für Mittelständler und Handwerksbetriebe in Ratingen.
Deutschland braucht wieder eine Politik des Ermöglichens.
Dazu gehört vor allem, dass der Staat sich auf seine Kernaufgaben konzentriert: funktionierende Infrastruktur, leistungsfähige Verwaltungen, gute Bildung und innere Sicherheit. Statt immer neue Regulierungen zu erfinden, müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren endlich schneller werden. Wer heute in Ratingen eine Straße saniert, eine Brücke instand setzt, ein Schulgebäude modernisiert oder ein neues Gewerbegebiet entwickeln will, braucht oftmals einen längeren Atem als die eigentliche Bauzeit dauert. Das kostet Zeit, Geld und am Ende auch Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik.
Wohlstand entsteht nicht durch Umverteilung, sondern durch Wachstum – dafür braucht Deutschland weniger Bürokratie, mehr Unternehmergeist und Innovation statt ideologischer Blockaden. Und endlich eine Willkommenskultur für Unternehmer und Leistungsträger.
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